Fotomontage: Marcus Müller

 

 

 


NABU Ennepe Ruhr
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Der Zaunkönig - Merkmale - Lebensraum - Nahrung - Nest - Fortpflanzung und Brutverhalten - Gefährdung - Lösungsansätze - Literatur
 
Foto: NABU/M. Delpho
Der Zaunkönig
Klein aber oho
Schon in früheren Zeiten wurde der Zaunkönig "wegen seiner Keckheit und Fröhlichkeit schon gern gemocht" und "sein Wesen höchst anziehend", glaubt man einer Darstellung aus dem Jahre 1873 in Brehms Thierleben. Mit dem Goldhähnchen ist er der kleinste Vogel Europas. Klein aber oho könnte man sagen, überragt er doch mit seiner Stimmgewalt alle anderen Gartenbewohner um Längen. Meistens hört man nur seinen Gesang. Er selber bleibt unsichtbar, wenn er nicht auf einem hohen Ansitz sitzt und frech hin und her wippt und seine Schwanzfedern senkrecht in die Höhe reckt. Er liebt reich strukturierte und naturbelassene Gärten, in denen er einen idealen Lebensraum vorfindet.

Mit der Wahl sollte daher auch erneut auf eine vermehrt ökologische Gartennutzung, die Kampagne des NABU "Nachbar Natur" aufmerksam gemacht und geworben sowie der Erhalt von Bachauen unterstützt werden.
 

  Merkmale
Unbeholfen im Flug, aber geschickt zu Fuß
Der Zaunkönig ist neben dem Goldhähnchen der kleinste bei uns beheimatete Singvogel. Bei einer Länge von ca. 9,5 cm bringt er gerade einmal 10 Gramm auf die Waage. Sein Gefieder ist unscheinbar rötlichbraun, wobei die Oberseite dunkler ist und zusätzlich eine dunkle wellenförmige Bänderung aufweist. Unterseits ist er heller braungrau gefärbt und ebenfalls mit leichten schwarzen Streifen im Gefieder. Auffällig ist der schwarze Überaugenstreif. Sowohl Männchen als auch Weibchen sind gleich gefärbt und auch die Jungvögel unterscheiden sich von den Alttieren kaum. Die Füße und der Schnabel sind graubraun, letzterer leicht gebogen und ideal zur Nahrungssuche ausgebildet. Der sehr kurze Schwanz wird meistens, vor allem bei Erregung, charakteristisch senkrecht aufgestellt und gibt, zusammen mit den kleinen, kurzen Flügeln, schon eindeutige Hinweise auf die Lebensweise des Zaunkönigs.

Er ist ein schlechter Flieger, meistens beträgt die Flugdistanz nur ein paar Meter und dann auch selten mehr als einen knappen Meter über dem Boden. Hingegen bewegt er sich aber umso geschickter, wendig und agil bei der Nahrungssuche im Unterholz. Von seiner Größe ist er also ideal geschaffen für seinen Lebensraum und seine Ansprüche. Eine Besonderheit bei Zaunkönigen ist die Tatsache, dass diese gerade in kalten Winternächten aufgrund ihrer Größe viel Wärme nach außen abgeben und sich daher in Schlafgemeinschaften (etwa 12 Individuen) in Nestern zusammenfinden um sich gegenseitig zu wärmen.
 

  Lebensraum
Unordnung kommt an
Der Zaunkönig brütet in vielen Biotopen, wenn sie ihm genügend Schutz und Unterschlupf bieten, Er liebt die Nähe von Wasser, kommt an Bachauen mit unterspültem Wurzelwerk ebenso vor wie in Wäldern, Parks und naturnahen Gärten mit Unterholz und Gebüschen, an Mauern, dort wo Nischen sind und er sein Nest errichten kann In aufgeräumten Gärten und Innenstädten wo er keine Deckung im Unterholz findet, in strukturarmen Wäldern, offenen Landschaften ohne bodennahe Vegetationsschicht fehlt er hingegen fast völlig. Bei uns ist er überwiegend Standvogel. Zahlreiche Individuen streifen aber mit Ende der Brutsaison umher und begeben sich auf Nahrungssuche in andere Gebiete. Nordöstliche Vögel ziehen im Winter nach Mitteleuropa, wo es für sie das günstigere Nahrungsangebot gibt. Der Zaunkönig ist weltweit verbreitet und kommt in den Alpen bis zu einer Höhe von fast 2000 Metern vor.
 

  Nahrung
Insekten bevorzugt
Die Nahrung besteht in erster Linie aus Insekten, Spinnen, Fliegen, Motten, Larven, also beinahe ausnahmslos aus tierischer Kost. Beeren, Früchte spielen nur eine untergeordnete Rolle und das meistens im Herbst und Winter. Die Nahrung findet er in erster Linie in Bodennähe oder im Unterholz und Gebüschen mit seinem schmalen und spitz zulaufenden Schnabel.
 

 
Foto: Marcus Müller
Nest
Eine kugelrunde Höhle
Das Männchen baut im Frühjahr mehrere Balznester, von denen sich die zukünftige Partnerin das für sie am besten geeignetste aussucht. Die zahlreichen Nester können aber auch von mehreren Weibchen genutzt werden. Sie liegen meist niedrig im Dickicht, selten mehr als 3 Meter hoch. Genutzt werden kann jede Art von Höhle, Nische etc., bevorzugt werden Baumseiten, Höhlungen an oder in einer Mauer sowie Wurzelteller umgestürzter Bäume.

Gerne hält der Zaunkänig sich auch in der Nähe von Gewässern an Uferböschungen auf, wo er an ausgewaschenen Baumwurzeln sein recht kunstvolles Nest errichtet und auf Nahrungssuche geht. Das Nest ist eindickwandiger, kugeliger, überdachter Bau. Als Material werden Moose, Blätter, Gras und andere Pflanzenteile verbaut. Das Innere wird mit Federn ausgelegt. Das Männchen baut die äußeren festen Wände, also das Gerüst. Das Weibchen sucht sich das passende Nest aus und polstert es von innen.
 

  Fortpflanzung und Brutverhalten
Gar nicht so ohne
Zaunkönige sind polygam, d. h. in einer Brutsaison kann ein Männchen mehrere Weibchen haben und damit parallel mehrere Bruten im Jahr großziehen. Das Männchen versucht das Weibchen durch seinen typischen Gesang an eines seiner zahlreichen Nester zu locken. Das Weibchen zeigt sich paarungsbereit, wenn sie eines der Nester auswählt und dieses dann von innen mit Federn weich ausstattet. In der Regel kommt es zu einer Brut im Jahr zwischen Anfang April und Juli, im Süden sind auch zwei Bruten möglich.

Die Brutdauer dauert ca. 14 Tage, die Nestlingszeit umfasst bis zu 17 Tagen. Das Brutgeschäft wird fast vollständig vom Weibchen übernommen, aber beide Elternteile füttern. Bruten polygamer Männchen schlüpfen in Abständen, wobei das Männchen bei der jeweils jüngsten Brut hilft. Die 5-8 Eier sind spindelförmig, glatt, glänzend, manchmal weiß und ungezeichnet, oftmals mit kleinen schwarzen oder rötlichen Punkten. Die Jungtiere bleiben auch nach dem Verlassen des Nestes noch im Familienverband zusammen.
 

  Gefährdung
Zierpflanzen, nein danke
Aufgeröumte, wenig strukturierte Gärten ohne Unterholz bieten dem Zaunkönig keinen idealen Lebensraum, da er hier weder Schutz vor eventuellen Feinden bei der Nahrungssuche findet noch sein Nest gut getarnt anbringen kann. Gärten, in denen Zierpflanzen die Überhand haben, werden auch vom Zaunkönig gemieden, da diese kaum Früchte tragen und damit keine Insekten anlocken, auf die er, wie viele andere Gartenbewohner auch, bei der Nahrungssuche im Besonderen angewiesen ist. Da sich Zaunkönige bei der Nahrungssuche häufig in Bodennähe aufhalten, stellen Hauskatzen ebenfalls eine große Gefahr dar.
 

 
Foto: Marcus Müller
Lösungsansätze
Unaufgeräumt soll`s sein
Heimische Sträucher anstelle von Zierpflanzen sollten das Pflanzenbild in unseren Gärten bestimmen. Die Broschüren "Nachbar Natur" und die Jahresvogelbroschüre des NABU "Der Zaunkönig" geben viele interessante Tipps und Hinweise zu geeigneten heimischen Pflanzen und deren Pflege. Vorhandene Gartenhecken sollten nur im Herbst geschnitten werden, um das Brutgeschäft des Zaunkönigs im Frühjahr nicht zu gefährden. Nach Möglichkeit sollten "unaufgeräumte" Ecken im Garten sich selbst überlassen bleiben in denen der Zaunkönig genügend Raum findet, um seine Nesthöhle anzubringen sowie natürliche Bachläufe mit reich strukturiertem Uferbewuchs erhalten bleiben. Wo keine Nistmöglichkeiten vorhanden sind und ein reich strukturierter bzw. unaufgeräumter Garten nicht möglich ist, sollte auf bewährte Nisthilfen zurückgegriffen werden, die es im Fachhandel oder über den NABU zu beziehen gibt.

Zusätzliche Informationen zu Nistkästen für den Zaunkönig gibt es beim NABU Ennepe-Ruhr, unserem Bundesverband (www.nabu.de), dem Landesverband unter www.nabu-nrw.de oder unter www.schwegler-natur.de. Wertvolle Tipps rund um den naturnahen Garten zum Wohle des Zaunkönigs und anderer Gartenbewohner bieten unter anderem drei Broschüren des NABU: Gartenlust - Für mehr Natur im Garten, Wohnvergnügen - Für mehr Natur am Haus sowie Vögel im Garten - Schützen, helfen und beobachten.
 

  Literatur
Brehm’s Illustriertes Thierleben: Volks- und Schulausgabe. Zweiter Band. - Die Vögel. Bearbeitet von Friedrich Schödler. Hildburghausen: Verlag des Bibliographischen Instituts 1873; Harrisson, Colin O. J.: Jungvögel, Eier und Nester aller Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. Ein Naturführer zur Fortpflanzungsbiologie. Bearbeitet von Dr. Eberhard Herrlinger. Hamburg und Berlin: Verlag Paul Parey 1975; Jonsson, Lars: Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. Bearbeitet von Peter H. Barthel. Stuttgart: Franckh-Kosmos 1999.(Kosmos-Naturführer); NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.): Vogel des Jahres 2003 - Der Zaunkönig. Jahresvogelbroschüre. Bonn 2002; NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.): Vogel des Jahres 2003 - Der Zaunkönig. In: NABU - Internet-Homepage:(www.nabu.de). Bonn 2002; SAUER, Friedrich: Landvögel. In: Steinbach, Gunter (Hrsg.): Steinbachs Naturführer. München: Mosaik Verlag 1996; Singer, Detlef: Die Vögel Mitteleuropas. 2. Auflage. Stuttgart: Franckh-Kosmos 1997.
 


Den NABU im Blick!
 
  Foto: Marcus Müller


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Der Zaunkönig
 
  Zeichnung: NABU/Dougalis

Weitere Informationen zum Vogel des Jahres 2004 gibt es hier:

Zaunkönig

 

 

 

Die Neue Brehm-Bücherei
 
 

Zum Vogel des Jahres 2004, dem Zaunkönig, gibt es beim Verlag Westarp Wissenschaften eine aktuelle Neuerscheinung aus der Reihe "Neue Brehm Bücherei"!

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