PM zum Tag der Artenvielfalt am 22.05.2019

Am 22.05.19 wird der Internationale Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt begangen.


Fast täglich können wir über den dramatischen Verlust der Artenvielfalt und die  daraus resultierende Gefährdung und Zerstörung unserer Lebensgrundlagen lesen, sehen und hören. Die Medien sind voll davon, und das zu Recht.
Die Vereinten Nationen ( UN) haben 1992 das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt beschlossen. Deutschland hatte in ihrer ersten Biodiversitätsstrategie von 2001 das Ziel formuliert, das Artensterben bis 2010 (!)  stoppen zu wollen. „Das nächste angepeilte Ziel war dann 2020, doch das Scheitern ist klar. Die deutsche Politik hat das Ziel dann in dem im Herbst 2018 vorgestellten Bericht der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie auf 2030 vertagt“ , so B. Mangold-Beyerle, Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) EN und in Sprockhövel aktiv.
Unser Land setzt jährlich 324 Millionen Euro für Leistungen zugunsten der Artenvielfalt ein. Das Geld stammt aus dem Agrarbudgets der EU zur Förderung des „Ländlichen Raumes“, (ELER). Doch wir bräuchten allein 1,4 Milliarden Euro jährlich, um die sogenannte Natura- 2000- Richtlinie umzusetzen. Damit soll EU-weit ein zusammenhängendes Netz von Naturschutzgebieten geschaffen werden. Knapp 13 % der für die Biodiversität wichtigen „landwirtschaftlichen Flächen mit hohem Naturwert“ sind in nur sechs Jahren zwischen 2009 und 2015 verloren gegangen. Bundesweit betrug der Rückgang der Streuobstbestände von den 1950er Jahren bis heute 75 % Streuobstwiesen gelten als „ Hot Spot“ der Biologischen Vielfalt, auf über 5000 Tier-und Pflanzenarten sowie auf über 3000 Obstsorten wird diese in Deutschland nach Angaben des Nabu- Bundesfachaussschusses  Streuobst geschätzt.


„Bei der Kartierung von Streuobstwiesen auf Sprockhöveler Gebiet für die Biologische Station EN im Herbst 2018, wurde mir klar, welch unglaublichen Naturschatz und Bestandteil unserer  Kulturlandschaft wir hier vor unserer Haustür haben. Leider werden viele dieser Wiesen nicht mehr aktiv bewirtschaftet, d.h. Pflege, Verjüngung durch Neupflanzungen und Schutz dieser wertvollen Biotope findet nicht mehr oder kaum noch statt“, bedauert das Nabu-Mitglied.
Familie Hüsing wohnt idyllisch einen Steinwurf entfernt von der Stadtgrenze zu Wuppertal. Thorsten Hüsings Vater hatte im Jahr 2000 die Idee, den alten Obstbaumbestand von fünf Apfelbäumen zu einer Streuobstwiese mit einer Fläche von 0,87 Hektar umzugestalten. Heute stehen 35 Obstbäume auf der Wiese. „ Damals wie heute kommen wir in den Genuss der Streuobstwiesen-Fördergelder. Dafür verpflichten wir uns zu Baumpflegemaßnahmen , Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz bzw. Düngung der Wiese. Wir mähen die Wiese nicht vor dem 15.06., so blühen viele Gräser, Blumen und Kräuter und können sich versamen. Wir haben leider nur noch zwei alte Apfelbäume im Bestand, die älter als vierzig Jahre sind. Bei Neupflanzungen achten wir immer darauf, dass wir alte, selten gewordene, regionale  Sorten auswählen. Die sind robuster, in Zeiten des Klimawandels ein wichtiger Aspekt,“ so Thorsten Hüsing, Landwirt in Nebenerwerb. „Natürlich  müssen wir den Bäumen Erziehungs,- Pflege,- bzw. Verjüngungsschnitte zukommen lassen, aber die Arbeit hält sich in Grenzen. Ein- bis zweimal im Jahr wird gemäht, die Maht nutzt ein Nachbar als Futter für seine Kühe. Nächstes Jahr wird es noch mehr Bienen geben, eine Freundin ist Hobbyimkerin.“


Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, frisch oder eingelagert,  Saft, Marmelade  und Honig: Alles in Bio- Qualität „ das ist ein gutes Gefühl beim Essen, gerade, wenn man drei Kinder hat“, fügt seine Frau hinzu.


Dies ist so ein positives Beispiel für aktiven Naturschutz, so B. Mangold-Beyerle, wir vom Nabu würden uns sehr freuen, wenn mehr Landwirte und Menschen mit  geeigneten  Flächen sich für das Anlegen einer Streuobstwiesen entscheiden, bzw. die vorhandenen Streuobstwiesen mit überaltertem Bestand Nachpflanzungen erhalten würden. Für fachliche Informationen und tatkräftige praktische Unterstützung vom Nabu können sie uns kontaktieren über : (ruediger{at}stock-net.eu) oder info{at}nabu-ennepe-ruhr.de.