Der Uhu

Wieder häufiger unterwegs

Nicht nur seine beeindruckenden "Dimensionen", auch die heimliche, zurückgezogene Lebensweise sowie sein unverwechselbarer durchdringender Ruf sorgen seit jeher dafür, dass ihn eine mystische, geheimnisvolle "Aura" umgibt. Im Altertum verehrt, im Mittelalter als Unheilsbringer und "Totenvogel" gefürchtet, wird dem Uhu heutzutage eine wahre Begeisterung zuteil. Dies liegt aber wohl mitunter eher daran, dass eine Begegnung mit ihm eine äußerst seltene Angelegenheit ist, aber sicherlich eine, die zu den unvergesslichen Erlebnissen zählt.

Heute erfreut sich unsere größte Eule einer zunehmenden Bestandserholung. Doch es gibt auch alarmierende Zeichen und Informationen über Bestandsrückgänge in einigen Gebieten. Von Rettung kann daher nach wie vor keine Rede sein. Dem mitunter aufopferungsvollen Kampf von Naturschützern ist es aber zu verdanken, dass wir uns wieder vermehrt an seinem, wenn auch seltenen, Anblick erfreuen können. Mittlerweile ist er in die ehemals verwaisten, angestammten Brutreviere zurückgekehrt, erobert immer neue Gebiete zurück oder siedelt sich neu an. Eine Erfolgsgeschichte für den Naturschutz und ein Indiz dafür, dass sich Beharrlichkeit und Engagement auszahlen.

Merkmale

Einfach riesig

Der Name des Uhu ist auf den typischen Reviergesang zurückzuführen, ebenso die lateinische Artbezeichnung "bubo". Der eindrucksvolle Balzruf ist gerade in den Herbstmonaten Oktober und November intensiv wahrnehmbar, findet doch hier die sogenannte Herbstbalz statt.

Von Größe und sonstigen Ausmaßen kann ihm, abgesehen vom ebenfalls imposanten Steinadler, kaum jemand das Wasser reichen. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 168 Zentimetern, einer Größe von bis zu 70 Zentimetern und einem durchschnittlichen Gewicht von 2, 6 Kilogramm (alle Angaben beziehen sich auf das Weibchen, welches deutlich größer und schwerer ist als der männliche Geschlechtspartner), ist der Uhu wahrlich ein großer "Brocken". Zehnmal so schwer und doppelt so groß wie unsere heimische Waldohreule, ist er sogar in der Lage, einen Habicht zu töten. Besondere Kennzeichen sind die auffälligen Federohren, die ihn ähnlich der Waldohreule erscheinen lassen. Doch eine Größe und Gestalt machen ihn unverwechselbar. Ebenso bemerkenswert der massige Kopf mit den großen, orangeroten Augen. Die Flügel wirken im Flug lang, breit und zu den Spitzen hin abgerundet, der Schwanz hingegen eher kurz. Das braune Gefieder besitzt eine dunkle Längs- und Querzeichnung für die notwenige Tarnung für die Jagd. Die Bauchunterseite wirkt in der Luft hell.

Größere Jungvögel sind blass rostbraun und haben auf Unterseite, Kopf, Schwungfedern und Rücken viele undeutliche dunklere Streifen.

Lebensraum

Felslandschaften bevorzugt

Der Lebensraum des Uhu kann sehr unterschiedlich sein. Im Grunde genommen ist sein Vorkommen überall möglich - selbst Siedlungsnähe wird akzeptiert - beschränkt sich aber zumeist auf vertikal gegliederte Lagen (Mittelgebirge, Alpen). Dies mag wohl damit zusammenhängen, dass er lange Zeit verfolgt wurde und sich zum eigenen Schutz in "unwegsameres" Gelände zurückgezogen hat.

Er brütet in großen Waldgebieten ebenso wie in reich gegliederten Kulturlandschafen. Er kommt aber auch in Steppen- und Wüstenlandschaften vor. Am liebsten ist ihm ein kleinräumiges Mosaik verschiedener landwirtschaftlicher Nutzungsformen, Hecken sowie Feldgehölzen in denen er genügend Nahrung und Deckung findet. Auch die Nähe von Gewässern wird gern gesehen. Eines muss sein Lebensraum aber ganz sicher aufweisen: Brutnischen, Höhlungen, in denen er ungestört seine Jungen aufziehen kann. Bevorzugt sind daher Lebensräume, die Felsen, Schluchten oder ähnlich geschützte Bestandteile beinhalten. Habitate dieser Art finden sich in erster Linie in den Mittelgebirgslagen und den Alpen. Daher werden in diesen Bereichen auch die höchsten Bestandsdichten erzielt.

Das Brutareal reicht im Wesentlichen von Südwesteuropa und Nordafrika über Europa bis in den Osten hinein nach Sibirien, den Nahen Osten, Südindien und Südchina. Die 850 Brutpaare in Deutschland verteilen sich auf die Mittelgebirge Süd und Westdeutschlands, die Alpen und Schleswig-Holstein, wo sogar Baum- und Bodenbruten nachweisbar sind. In Nordrhein-Westfalen liegt der Bestand derzeit bei etwa 60-80 Paaren.

Reviervögel sind Standvögel, die das Revier im Herbst nicht verlassen. Jungvögel hingegen streifen im Herbst auf der Suche nach einem geeigneten Revier umher und legen dabei durchschnittlich eine Strecke von ca. 52 Kilometern zurück.

Nahrung

Nicht besonders wählerisch

Bei der Nahrungssuche ist der Uhu nicht wählerisch, ernährt er sich doch sowohl von kleinen bis mittelgroßen Säugetieren (Igel, Fuchs, Hase) als auch von Vögeln. Aber auch Insekten, Frösche und sogar Ratten auf Müllkippen gehören zum Nahrungs- und Beutespektrum. Auch in seinen Jagdmethoden ist er ausgesprochen vielseitig. Er jagt im Suchflug über dem Gelände, nutzt Ansitzwarten und ergreift seine Beute auch zu Fuß.

Nest

Unauffällig und unerreichbar

Bei der Wahl des Nistplatzes kann der Uhu recht flexibel sein. Das Nest befindet sich entweder auf ebenem Grund, an steilen Hängen, am Boden oder an Felswänden und Steinbrüchen in Fels- und Erdspalten. Aber auch Baumbruten u. a. in alten Horsten sind dort möglich, wo keine vertikalen Erhebungen vorkommen. Der Schutz seiner Jungen vor Feinden wie Fuchs und Marder ist ein weiterer Grund, warum Neststandorte in Felswänden bevorzugt werden. Hier besteht dann das Nest zumeist aus einer einfachen, flachen Mulde. Nistmaterial wird nicht eingetragen.

Fortpflanzung und Brutverhalten

Schon früh im Jahr

Uhupaare finden sich bereits zur Herbstbalz in den Monaten Oktober und November. Zu dieser Zeit sind dann auch die für den Uhu typischen Balzrufe in den Habitaten wahrzunehmen. Die Brutperiode beginnt zeitig im nächsten Frühjahr (Februar/März), im Süden auch bis in den Mai hinein. Es kommt im Laufe des Jahres nur zu einer Brut.

Das Weibchen legt 2-3, seltener 1 oder bis zu 6 Eier in die Nestmulde. Der Legeabstand beträgt etwa 2-4 Tage, der Brutbeginn findet mit dem ersten Ei statt. Nach einer Brutdauer von 34 Tagen, in der ausschließlich das Weibchen die Brutgeschäfte wahrnimmt, schlüpfen die Jungen. Ca. 30 Tage hudert und füttert das Weibchen die Nachkommen während das Männchen für den Nahrungserwerb sorgt. Sind die Nestlinge ein paar Wochen alt, beteiligt sich auch das Weibchen verstärkt an der Jagd. Mit 4-10 Wochen beginnt die Zeit des Nestverlassens, abhängig vom jeweiligen Niststandort. Zu diesem Zeitpunkt beginnt die gefährlichste Periode, denn Beutejäger warten überall und die Jungen sind nach ein paar Wochen noch nicht im Stande zu fliegen. Völlige Flugfähigkeit erlangen die Junguhus mit ca. 10 Wochen. Spätestens im Herbst löst sich der Familienverband auf.

Gefährdung

Wohnungen werden knapp

850 Brutpaare für die ganze Bundesrepublik sprechen für sich: Der Bestand des Uhus ist noch lange nicht gesichert und bedarf weiterhin konkreter Schutzmaßnahmen. Denn das Gefährdungspotential ist groß:

Verluste durch Stromschlag und Leitungsanflug an ungesicherten Hochspannungsmasten, Störungen an Brutplätzen durch Erholungssuchende, Sportler, Verfüllung stillgelegter Steinbrüche, Verschlechterung des Nahrungsangebotes durch Nutzungsänderungen in der Landschaft.

Lösungsansätze

Erhalt einer naturnahen Landwirtschaft

Brutplattform
Brutplattform

Zur Beseitigung von Gefährdungspotential bieten sich an:

Rasche Entschärfung gefährlicher Strommasten, gezielte Schutzmaßnahmen für einzelne Brutplätze, Besucherlenkungsmaßnahmen, Sicherstellen von Steinbrüchen vor dem Verfüllen, Erhalt einer struktur- und artenreichen Kulturlandschaft beispielsweise durch Förderung ökologischer Landwirtschaft, Schutzzonen um langjährige Bruthabitate, Artmonitoring.

Literatur

Harrisson, Colin O. J., Castell, Peter: Jungvögel, Eier und Nester der Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. 2. überarbeitete Auflage. Übersetzt und bearbeitet von Heinrich Hoerschelmann. Wiebelsheim: AULA-Verlag GmbH 2004; Mebs, Theodor, Scherzinger, Wolfgang: Die Eulen Europas. Biologie, Kennzeichen, Bestände. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH 2000.(Kosmos-Naturführer); Jonsson, Lars: Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. Bearbeitet von Peter H. Barthel. Stuttgart: Franckh-Kosmos 1999. (Kosmos-Naturführer); NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.): Vogel des Jahres 2005 - Der Uhu. Jahresvogelbroschüre. Bonn 2004; NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.): Vogel des Jahres 2004 - Der Uhu. In: NABU - Internet-Homepage: (www.nabu.de). Bonn 2004.

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31.08.2017